Das neue Jahr


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Friedrich Schiller schrieb am 1. Januar 1802 an Goethe:
»Lassen Sie uns das neue Jahr mit den alten Gesinnungen und mit guter Hoffnung eröffnen.«
Vor zweihundert Jahren hatte das Wort Gesinnung eine andere Bedeutung. Es leitete sich ab von gesinnen, meinen, denken an etwas, aber auch begehren, verlangen. Also eine selig-geistige Beschaffenheit, Befindlichkeit, Meinung, Vorstellung, Grundsätze, Haltungen und Lebensmaximen. Aber auch als Inbegriff des Subjektiven, ein Geist des Widerspruchs, eine den Menschen auszeichnende Kraft, in all ihren Facetten, Hoffnungen, Wünschen, die in die Zukunft gerichtet sind, zuversichtliche Erwartungen, begründete Aussichten und Perspektiven.

In der Hoffnung und mit der Zuversicht auf Fortsetzung des Begonnenen mit Goethes Worten:
»Dein Los ist gefallen, verfolge die Weise /
Der Weg ist begonnen, vollende die Reise: /
Denn:
Sorgen und Kummer verändern es nicht, /
Sie schleudern dich ewig aus gleichen Gewicht.«
Nur gemeinsam Wohl beglückt Verbündete.


1759 wurde der Dichter, Erzähler, Publizist, Philosoph, Ästhetiker, Dramatiker und Historiker Friedrich Schiller in Marbach am Neckar geboren. Nach seinem Tod 1805 scheint es keinen klassischen Autor der Deutschen gegeben zu haben, der so die Meinungen über seine Person spaltete: pathetisch bejubelt, kategorisch verworfen, zustimmend und ablehnend zugleich.

Auf der einen Seite
theatralische Festkultur, Denkmäler, Jubelchöre, Schiller als Lichtgestalt, Kultfigur, Nationalautor par excellence, unter stillschweigender Mißachtung ganzer Teile des Werkes. Verehrt von Handwerksburschen, Kleinbürgern und akademischen Kreisen. Schiller-Zitate als geflügelte Worte waren Allgemeinbesitz, suggerierten die Selbstheroisierung des machtlosen Bürgertums. Es war der Zeitgeist: durch Goethes dreifaches »Denn er war unser!« und Danneckers Kolossalbüste sowie durch die feste Form der Schiller-Rezeption verstärkt, 1848, Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus sowie in beiden Teilen Deutschlands nach 1945.

Auf der anderen Seite
die Schiller-Verächter, die Romantiker, insbesondere die Gebrüder Schlegel oder Büchner, Grillparzer, Hebbel, einflußreiche Spätaufklärer wie Nietzsche, die 68er und aktuelle Kulturverantwortliche. Sie schufen den Mythos des weltfernen, antiquierten Idealisten, der uns Heutigen nichts mehr zu sagen habe. Unabhängig davon gehört Schiller seit 1972 nicht mehr zum Lektürekanon der westlichen Gymnasien. Die schwindende Anerkennung Schillers erreichte in den 70er und 80er Jahren einen kaum für möglich gehaltenen Tiefpunkt.

Die Erneuerung der abgerissenen Verbindung zu dem Genie Friedrich Schiller gibt es wieder. Davon zeugen viele Publikationen, Theateraufführungen, Biographien und ein ganzer Reigen von Veranstaltungen. Seit 2005, ebenfalls ein Schiller-Jahr, ist eine Rückbesinnung zu erkennen. Schiller ist aktueller denn je.

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