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Die unglückliche Liebe eines Freundes mit anzusehen ist zuweilen hart. Es gibt keinen wirklichen Trost, den man spenden könnte, maximal Ablenkung kann man verschaffen und der Zeit vertrauen, die dem unglücklich Verliebten helfen wird, auch wenn dieser das gerade unmöglich glauben kann. Doch kommt der Gedanke, wie sehr sich der Freund mit seiner neuen Liebe selbst schaden könnte, regt sich der Wille einzugreifen. Vielleicht sogar zu intrigieren, um der Sache ein Ende zu bereiten.
So oder ähnlich muss es Minna Körner, der Ehefrau Christian Gottfried Körners gegangen sein. Seit 1785 bot das Haus Körner dem mittellosen Schiller eine Bleibe.
Treulichen Zusammenhalt, so etwas wie Familie gab es dem Dichter und damit die Freiheit zum Schreiben, die er in Dresden und im beschaulichen Loschwitz genoss.
Dann ein Maskenball im Winter 1787, Armors Pfeil traf zielgenau. Der 28-jährige Schiller verliebte sich ernsthaft in die 19-jährige Henriette von Arnim. Vorbei die herrlichen Zeiten, in denen die Körners mit ihm am Tische philosophierten. Vorbei auch die Zeiten produktiver Arbeit bei Schiller, Schreibblockade würde man es heute nennen. Kein Wunder, alle Gedanken der Angebeteten! Die Liebe? Im Grunde ohne Zukunft. Er mittellos und ein bürgerlicher Schriftsteller, Henriette eine von 10 Töchtern der früh verwitweten Elisabeth von Arnim, Kammerdame des kurfürstlichen Hofes, deren Kapital ihre Töchter waren, die es gut zu verheiraten galt. Mehrere Bewerber waren daher im Rennen, was Schiller letztlich verstörte, obwohl sich ihm die junge, doch sehr reife Henriette offen, souverän und rückhaltlos erklärte: „ … so muß ich gleich am frühen Morgen an Sie schreiben und Ihnen sagen, daß ich immer und unaufhörlich an Sie denke, mich nur mit Ihnen beschäftige. Der Gedanke an Sie ist jetzt der einzige der mir wichtig ist ... Es ist wahr, ich gestehe es, daß ich vorher auch schon geliebt habe, aber bei weitem nicht so als jetzt … Sie sind der einzige Mensch, zu welchem ich einen so hohen Grad von Vertrauen habe.“
Als der Druck des „Dom Karlos“ ernsthaft in Gefahr zu geraten scheint, an dem Schiller arbeitete, vielleicht auch Eifersüchteleien auf die neue Liebe des Dichters aufkeimen, findet Minna Körner mit ihrer Schwester Dora Stock und Körner selbst eine Lösung: Schiller muss weg aus Dresden, nicht zu weit, nach Tharandt, wo Körner ihn im Gasthaus einmietet. „Schiller war in einem Zustande leidenschaftlichster Aufregung, so daß er ganz offen gestand, daß ihn die Ungewißheit, ob er auf Erfüllung seiner Wünsche hoffen dürfe oder sie aufzugeben gezwungen sei, unfähig zu jeder Arbeit mache“, beschreibt Minna Körner. Schiller fühlte sich in Tharandt alles andere als wohl, „als wäre ich auf einer wüsten Insel ausgesetzt worden“, moniert er aus dem winterlichsten Wetter. „Ich habe des Tags ein halb Dutzend fürchterlich leere Stunden“, schreibt er an Körner. Eine entscheidende Wendung bahnt sich an, als Henriette mit ihrer Mutter nach Tharandt kommt – und ebenfalls ein weiterer Henriette-Anwärter. Schiller wird rasend eifersüchtig, hinzu kommt das mulmige Gefühl, mit einer Verbindung zu Henriette die Freundschaft des Körnerkreises vielleicht zu gefährden – er erkennt, dass er sich von beiden trennen muss, seiner Liebe und den Körners.
Man weiß nicht genau, wie lange Schiller tatsächlich in Tharandt blieb, auch nicht, ob er von da nach Dresden oder gleich nach Loschwitz zurückkam, um Henriette nicht mehr zu begegnen. Zeugnisse gibt es nicht, Henriette hat alle Briefe Schillers und sicher auch einige ihr gewidmete Gedichte vernichten lassen.
Am 20. Juli 1787 bestieg Schiller die Postkutsche gen Weimar, zumindest versöhnt mit dem körnerschen Kreis: „Jetzt adieu, meine Lieben. … Meine ganze Seele ist bei euch – denn sollte Freundschaft ein so armseliges Feuer sein, daß es durch Teilung verlöre? Kein Geschöpf in der Welt kann euch die Liebe, kann euch nur den kleinsten Teil der Liebe entziehen, womit ich auf ewig an euch gebunden bin. Adieu.“ Daniella Fischer Adieu Dresden


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Schiller am Elbhang


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Nach Wirren um Zustand, Zuständigkeiten und Betreuung strahlt die einzige museale Gedenkstätte an Friedrich Schillers Aufenthalt in Dresden nun wieder in restaurierter Frische. Betreut von hochmotivierten Ehrenamtlichen ist sie ab Ostern 2016 für Besucher geöffnet bis zum Ende der Sommersaison.
veröffentlich in Potz Blitz, Februar 2016,
Seite 5 für Blasewitzer Zeitung, 4/2016
Schiller-Gedenkstätte am Elbhang in Dresden-Loschwitz

Schiller-Gedenkstätte am Elbhang in Dresden-Loschwitz


Es ist das Kleinste im Museumsverbund der Stadt Dresden. Ein reizendes kleines Gartenhäuschen auf dem vormaligen Körnerschen Weinberg am Loschwitzer Elbhang. Die Besucher erfahren, dass Friedrich Schiller dort 1785 am „Don Carlos“ und an der „Ode an die Freude“ geschrieben habe. 15 Tausend Schillerfreunde, Dresdner und aus aller Welt, waren da, seitdem im Jahr 2005 auf Initiative der Bürgerstiftung Dresden die Schillergedenkstätte neu ausgestaltet und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht worden ist. Seitdem kümmern sich rührig kulturbegeisterte Ehrenamtler um die Besucher. Deren Organisation obliegt seit dem Vorjahr Sylvia Günther, der Leiterin des Ortsamt Loschwitz.
Doch die Besucherbetreuung alleine ist es nicht, denn die feinkleine Schau aus Dokumenten, Bildern, Memorabilia muss erhalten und gepflegt werden wie das Gartenhäuschens und die Anlage selbst. Museal und denkmalschützerisch ist die Stadt in Verantwortung. Für das Häuschen auf schmaler Flur aber ist sie es nicht, denn es ist in Privatbesitz von Familie Sabine und Dr. Axel Zehe. Zur Nutzung hat die Stadt mit den Eigentümern einen Mietvertrag abgeschlossen, der die üblichen Zuständigkeiten regelt, außen der Eigentümer, innen die Stadt. Das birgt die Mieter-Vermieter Zuständigkeits-Konflikte wer macht was, wie, wann. Ein solcher ließ die lokalen Blätter im Herbst 2014 rauschen „Dresdner Schillerhäuschen verfällt – denkmalgerechte Sanierung durch die privaten Eigentümer ist nicht in Sicht - Bürgerstiftung, Vorstand Winfried Ripp, Ehrenamtliche ziehen sich zurück - weitere Öffnung fraglich“. Engagierte Schillerfreunde müssen sich Vorhaltungen der Besucher anhören: eine Schande für Dresden …“. Der Streit eskalierte bis zur Androhung seitens der Eigentümer den Mietvertrag zu kündigen – aus für die Schillergedenkstätte? Mühselig, in langwieriger Verhandlung der Parteien ließen sich die Wogen glätten, die denkmalgerechte Sanierung in Einzelaufgaben den Zuständigen zuordnen. Nach restauratorischer Instandsetzung des Innenraums strahlt er mit erneuerter Illusionsmalerei in vorklassizistischer Anmut der Schillerzeit. Doch außen sind die Tür- und Fensterläden fast zerfallen marod, sie gehören restauriert. Und das Geländer zur Straße ist so laved, dass Gefahr besteht.
Es bleibt das eigentliche Dilemma: Das bis 1994 städtische Grundstück einschließlich des Gartenhäuschens, welches lange schon Schillergedenkstätte war, im Zuge von Restitutionsforderungen privatisiert und 2001 verkauft worden. „Die Stadt hat ihr Vorkaufsrecht nicht genutzt“, sagten die Eigentumer dem Autor. Das Schillerhäuschen am Elbhang ist ein bedeutendes Kulturgut. Rückerwerb in öffentliche Hand oder Überführung in eine Stiftung sind der richtige Weg diesem Denkmal nachhaltig die Zukunft zu sichern. (25.1.2016 Bäumler)

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Seit Kurzem gibt es einen neu gegründeten Verein „Schiller & Körner in Dresden e.V.“. Unter der Vereinsleitung von Lucas Mielsch möchte sich der neue Verein der Erhaltung, Pflege und Förderung des kulturellen, künstlerischen und literarischen Wirkens Schillers sowie der Familie Körner in Dresden widmen. Die nächsten Aktivitäten des Vereins sind die Organisation von Lesungen und des Schillerhaustreffens 2018 in Dresden. In Kürze wird auch eine Internet-Seite geschaltet.

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(0)36945-50038