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Friedrich Schiller (aus einem Brief an Wilhelm Reinwald)
Mannheim, den 5. Mai 1784
"Halten Sie es für kein leeres Geschwätz, wenn ich Ihnen gestehe,
daß mein Aufenthalt in Bauerbach bis jetzt mein seligster gewesen,
der vielleicht nie wieder kommen wird."



Schiller und Bauerbach

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Dorfkirche Bauerbach

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In der Dorfkirche von Bauerbach befinden sich die drei Grabstätten der Familie von Wolzogen, darunter ebenfalls die von Friedrich Schillers Asylgeberin Henriette.

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Gasthof Zum braunen Ross

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Eine respektable Schuldenrechnung in den damaligen Währungen Gulden, Batzen, Kreuzer und Pfennig, die der Bauerbacher Wirt dem abgereisten »Herrn von Ritter« da aufmacht!

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Naturtheater in Bauerbach

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Das idyllisch gelegene Naturtheater "Friedrich Schiller" in Bauerbach bei Meiningen wurde im Jahr 1959 mit der Aufführung des Stückes "Wilhelm Tell" gegründet.



Bauerbach-Zuflucht für Friedrich Schiller


Acht Monate war Bauerbach die Zuflucht von Friedrich Schiller. Seit über hundert Jahren lebt der kleine Ort Bauerbach für Museum, Drama, Bühne, Vers und Szene.

Eine Reise lohnt sich:

"Endlich bin ich hier, glücklich und vergnügt, dass ich einmal am Ufer bin. Ich traf alles noch über meine Wünsche. Keine Bedürfnisse ängstigen mich mehr, kein Querstrich von außen soll meine dichterischen Träume, meine idealischen Täuschungen stören." Schiller, der träumende und flüchtende Dichter, kam am 7. Dezember 1782 zu Fuß die knapp über 10 Kilometer von Meiningen her. Auf welchem Weg? Vielleicht am Bergrand entlang? Es dunkelte bereits, aber er konnte das tief verschneite Bauerbach, sein Exil für die nächsten Monate, wie sorgsam hineingelegt ins Tal zwischen Thüringer Wald und bayerischer Rhön wohl sehen. Das mag sein von Nöten wie Verfolgungsängsten bedrücktes Gemüt ein wenig vergnügt gestimmt haben. Heute noch ist der Blick von der Anhöhe hinab auf die Handvoll Häuser schlicht und anmutig. Vielleicht näherte er sich dem Ort aber auch von der gegenüber liegenden Seite? Dann war es der für eine kleine Landgemeinde mit gerade mal 300 Einwohnern große jüdische Friedhof am Waldrand, der seine erste Aufmerksamkeit erregte. Ein Jude übrigens, der Bürger Mattich, war die nächste Zeit einer der wenigen Menschen, mit denen Schiller hier in der Einöde enger in Kontakt kam, als er sich zurückzog, um "nur Dichter" zu sein. Die Grabsteine stehen jetzt in ihren Reihen krumm zwischen den Bäumen; in Bauerbach gibt es seit der Deportation der letzten 2 jüdischen Frauen nach Theresienstadt 1943 keine Juden mehr. Oder lief Schiller auf der Straße, die heute bequem asphaltiert Bauerbach mit dem Rest der Welt verbindet? Wäre er links in einen Waldweg kurz vor dem Dorf abgebogen, hätte er im „Großen Graben“ einen idyllischen Platz gefunden, eine kleine versteckte Lichtung, die vielleicht auch ihm wie eine ideale Naturbühne vorgekommen wäre. Zwei Jahrhunderte später spielen die Dorfbewohner genau dort seine Stücke.

Seine Stücke:

Er hatte ja erst „Die Räuber“ fertig geschrieben. Das Stück hatte ihm zunächst einmal zwar rauschenden Beifall, aber dann auch eine Menge Ärger eingebracht. "Die Räuber" waren der Grund, warum er den Weg in diese gottverlassene Gegend hatte antreten müssen, gejagt von der Obrigkeit, die sich verunglimpft sah, angewiesen auf Wohlwollen und Geld der Henriette von Wolzogen. In Bauerbach konnte er durchatmen: "Alle Bequemlichkeiten, Kost, Bedienung, Wäsche, Feuerung, und all diese Sachen" waren von den Leuten des Dorfes "auf das vollkommenste" besorgt worden.“ Dabei wussten die gar nicht, wen sie vor sich hatten - der Dichter reiste unter Pseudonym, nannte sich "Dr. Ritter". Sie konnten nicht ahnen, dass mit dem richtigen Namen des schweigsamen Gastes später einmal Bauerbach in die Geschichte eingehen, dass über Schiller und über Bauerbach geschrieben würde.
Immerhin nennt sich Bauerbach, noch immer ein 270-Seelen-Dorf, stolz "Schiller-Ort":
in der Mitte das stattliche Fachwerkhaus, in dem der Dichter wohnte. Es ist heute Museum.

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gedenkstein

Unweit ein Gedenkstein zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in Bauerbach.


wandbild

Vorbei an einem kleinen Häuschen mit einem Wandbild zur Erinnerung an Schillers Ankunft im Ort steht man vor der Dorfkirche.



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Im Gasthof „Zum braunen Ross“, in dem Schiller seine Mahlzeiten einnahm und die Fassade zieren Textzeilen aus „Der wunderseltsamen Historia …„, einem Spottgedicht aus der Feder des Dichters; an einer Hausfassade das Foto von einer Theateraufführung in Bauerbach mit einem Schillerzitat "Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit“.

In Bauerbach spielte man Schiller schon seit 1905. Zunächst mit Schülern, dann kamen richtige Schauspieler vom Meininger Theater, seit 1959 ist es die Bevölkerung, die sich der Dramen annimmt. Auf alten Amateurfilmen sieht man Heerscharen von Statisten, die sich auf der Szene drängen: Frauen, Männer, kleine Kinder und Greise in historischen Kostümen bejubeln den Rütli-Schwur, formieren sich zur Räuberbande; wer nicht spielte, besorgte die Technik oder bewirtete die Gäste. So ist das heute noch. Schiller dankte es schon mal vorab in einem Brief von 1783: "Bauerbach ist gewiß keine Barbarei. Ich habe schon manche Feinheit an den Leuten entdeckt, die mir um so schätzbarer war, je weniger ich sie der rohen Natur zugetraut hätte. Vielleicht sind diese Menschen von den übrigen sich besser Dünkenden nur wie die Gipsfigur von dem Gemälde zu unterscheiden."

Seit der Wende setzt man hier ganz auf Kulturtourismus. Die Besucher werden auf der Naturbühne klassisch unterhalten, selbstbewusst durch das Schiller-Museum geführt und stilecht verköstigt im Gasthaus "Zum braunen Roß",

gasthaus zum braunen ross
rechnung
wo der Dichter beim überstürzten Aufbruch im Juli 1783 die Zeche prellte - unter anderem 14 Eßen, 145 Maß und vier Eimer Bier. Wer den Wirt fragt, darf sogar mal auf der garantiert echten Schiller-Bank am Schillertisch sitzen.

Die heutigen Bauerbacher nehmen diese Distanzierung gelassen: "Dem Manne kann geholfen werden", gemeint ist, dass sie Schiller auch in Zukunft nicht im Stich lassen werden. Selbst wenn der sagte:“sein Aufenthalt hier sei wohl "nur eine schöne Laune" seines Schicksals gewesen.“
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(0)36945-50038