Lese-Empfehlungen

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Liebe Lese-Interessierten, an Ihren "Lese-Empfehlungen" bin ich sehr interessiert und dankbar für alle Informationen. Bitte lassen Sie mir die für Sie empfehlenswerten Hinweise zukommen.

Uns liegen in der heutigen Zeit eine Vielzahl von und über "Schillers sämtliche Werke" vor, einer ersten Schiller-Biografie, bereits 1830 verfaßt von Karoline von Wolzogen, sollten noch viele weitere folgen und nicht zuletzt zahlreiche Romane und Schriften "Über Schiller" stehen uns in vielfältigen Fassungen und Varianten zur Verfügung. Zur Vorbereitung auf einen "Museums-Besuch bei Schiller" gibt es ebenfalls zahlreiches Informationsmaterial, was nicht einen Museumsbesuch ersetzen sollte und kann. Am anschaulichsten informieren wir uns "Über Schiller" bei einem Besuch in unseren Schiller-Museen. Dort, "Vor Ort im Museum", verschaffen wir uns ein "Bild von Schiller" und vertiefen unser Wissen und Kenntnisse durch Lesen o.g. Materials.

Ich denke dabei "nur an Bücher" und möchte an dieser Stelle einige Lese-Empfehlungen weitergeben.

In eigener Sache empfehle ich Ihnen an erster Stelle Literatur über Schillers Aufenthalt in Bauerbach:

"Schiller in Bauerbach"
von Georg M. Brückner; Geheimer Hofrat in Meiningen;
Druck: E. Gundlach; Aktiengesellschaft, Bielefeld; 1947
Eine ältere Ausgabe: Meiningen 1856; Druck von F. W. Gadow & Sohn



Auszug des Vorwortes:

"Die augenblickliche Zeit verlangt, daß wir seelische Kraft und Sammlung gewinnen. Diese erhalten wir am besten, wenn wir bei den edelsten Söhnen unseres Volkes Einkehr halten. Edels spendend und titanenhaft leuchtet die Persönlichkeit Schillers noch in unsere Zeit jugendfrisch und unverbraucht hinein. Deshalb entschloß ich mich, die Schrift meines Großvaters, des Professors Georg Martin Brückner "Schiller in Bauerbach" neu drucken zu lassen. Da mein Großvater viele Jahre hindurch in Meiningen mit Schillers Schwester Christophine Reinwald nachbarlich befreundet, außerdem von dem Schiller nahe-stehenden Pfarrer Freißlich in Bibra bei Bauerbach manche Mitteilung erhalten hatte, glaube ich, daß er berufen war, über diese Periode in Schillers Leben zu berichten. Wenn auch die Schrift im Jahre 1856 für meine engere Meininger Heimat geschrieben ist, so werden auch andere deutsche Gaue Wissenswertes und Erbauliches daraus entnehmen können.
Bielefeld im Oktober 1947; Beethovenstr. 8; Konstantin Brückner."

schiller in bauerbach

Dieses kleine handliche Büchlein, nur 120 Seiten stark, mit nur einem Foto "Schillers Asyl im Dorfe Bauerbach bei Meiningen", beginnt mit einem Ausspruch Goethes:
"Die Stelle,die ein guter Mensch betrat,
sie bleibt geweiht für alle Zeiten."

Diesen Goethischen Ausspruch können viele Punkte des Herzogtums Meiningen mit gutem Rechte auf sich beziehen, wenige indes in solch vorzüglichem Sinne, als es das Dörfchen Bauerbach mit seinem Schiller vermag.

Lesen Sie alles weitere selbst und verweilen Sie mit Schiller in Bauerbach im Jahre 1782/83.

Ich bekam dieses Büchlein von meiner Oma mütterlicherseits (seit 1716 in Bauerbach gebürtig und bis heute ansässig) 1959 geschenkt - zu meinem 10. Geburtstag; zu Schillers 200. Geburtstag fanden Schillergedenktage in Bauerbach statt und als gebürdige Bauerbacherin galt schon damals mein Interesse diesem Mann, der in unserem Schillerhaus, gegenüber von unserem Wohnhaus, gewohnt hatte. Ist nur noch antiquaratisch zu erhalten.

Noch eine Empfehlung: "Idylle in Bauerbach"
Eine Schiller-Novelle von Richard Elsner

E. Sicker Verlagsbuchhandlung, Berlin-Friedenau

schiller in bauerbach

Auszug: Vorwort
Schiller an Reinwald: "Halten Sie es für kein leeres Geschwätz, wenn ich gestehe, daß mein AUFENTHALT in Bauerbach bis jetzt mein seligster gewesen, der vielleicht nie wiederkommen wird."

Auszug: S. 9 bis 20

Behutsam stieg der herzogliche Bibliothekarius und meiningische Rat die knarrenden Treppen des engen Hauses hinunter, um sich in den Gasthof zum Hirschen zu begeben...Es war bitterkalt. Die Straßen der kleinen Residenz Meiningen langen verödet. Wer nicht die Nase hinausstecken mußte, verbarg sie lieber hinter dem wärmenden Ofen... Als der Bibliothekarius in die Gaststube des Hirschen trat, bemerkte er schließlich, daß sich in der einen Ecke des Raumes ein junger Mann erhob und mit freundlicher Miene auf ihn zukam. "Herr Bibliothekarius Reinwald?" fragte der junge Mann und sah den Älteren mit einem warmen Blick aus seinen blaubraunen Augen an...---", aber der andere fiel sofort ein und sagte lächelnd mit höflicher Verbeugung: "Doktor Ritter, wenn es beliebt." "Ich verstehe - inkognito-"--- Der Wirt trug sofort das Essen auf... "Ich werde allein in Bauerbach sein, von aller Welt verlassen", begann Schiller, während er die Suppe löffelte. "Frau von Wolzogen schrieb mir, ich fände nichts in Bauerbach, nur Ruhe...." "...ich weiß schon im voraus,was Sie mir als Freund bedeuten würden, wenn Sie mir das Vergnügen bereiten würden, mir Teilnahme und Wohlwollen zuzuwenden." "Ich werde mich glücklich schätzen, dem Dichter der "Räuber" nützlich sein zu dürfen".... Reinwald begann seine Wintersachen anzuziehen, während Schiller nach einem leichten Überrock griff, den er mit leichtem Schwung überwarf und denn den Hut aufstülpte... "Es ist bitterkalt draußen", sagte Reinwald ermahnend. "Wollen Sie in diesem dünnen Überrock fahren? Es sind immerhin zwei Wegstunden bis Bauerbach." "Doch. Ich besitze nichts anderes." Reinwald machte große Augen. "Sind Sie in dem Rock vo Mannheim bis hierher gefahren?" "Freilich. Täglich 9 Stunden in der Postkutsche", lächelte Schiller. "Ich habe mich bisher für arm gehalten. Ich habe heute gelernt, daß man noch mehr Entbehrungen ertragen kann" entgegnete so Reinwald. Schiller rief den Wirt und bezahlte seine Rechnung. Vor dem Hause hielt der Wagen. Der junge Dichter kletterte hinauf und reichte Reinwald die Hand hinab. "Auf baldiges Wiedersehen, Herr Bibliothekarius. Ich hoffe, wir werden uns recht oft sehen, bald in Meiningen, bald in Bauerbach oder auf halbem Wege in Maßfeld." Herzlich schüttelten sich die neuen Freunde die Hand. Die Pferde zogen an. Der Bibliothekarius winkte noch lange und schlurfte dann nach Hause, der junge Dichter fuhr mit leichtem Gebäck, in eine warme Decke gehüllt, die ihm der barmherzige Wirt hatte in den Wagen legen lassen, seiner neuen Heimat entgegen. Es dunkelte bereits, als der leichte Reisewagen in der Talmulde ankam, in der das Dorf Bauerbach lag. Die Räder knirschten und klangen in dem harten Schnee, aber kein neugieriges Auge schaute aus den armseligen Hütten, die an der Straße verstreut lagen. Vor dem Hause des Gutsverwalters Wendel-Vogt hielt der Wagen. Er wurde schon erwartet. Eilfertig trat der Verwalter an den Wagen heran, begrüßte den Herrn Doktor und hieß ihn im Namen seiner Herrin, der Frau von Wolzogen, und des gesamten Dorfes herzlich willkommen. Er forderte den Kutscher auf, zum Herrenhause weiterzufahren und ging selbst neben dem Wagen her... Der Wagen wurde schon von einem jungen Mädchen erwartet, daß in der Eingangstür stand und sofort herbeisprang, als der Verwalter einen Wink gab. "Das ist die Magd",sagte der Verwalter und deutete auf das in einem tiefen Knicks ersterbende junge Ding hin. "Eine Waise. Sie wird das Haus besorgen und die Botengänge." Schiller sprang vom Wagen, blieb jäh stehen und blickte an dem Haus entlang und zu den rings den Ort umkränzenden verschneiten Fichtenwäldern hinüber. "Die neue Heimat!", entfuhr es seinen Lippen... "Es ist einsam hier, Herr Verwalter?" wandte er sich an diesen. "Das wohl. Die gnädige Frau schrieb mir, der Herr Doktor suche Ruhe zum geistigen Schaffen, die wird Ihnen, Herr Doktor Ritter, nicht mangeln. Darf ich Sie in ihrZimmer hinauf bitten? Die Magd wird ihr Gepäck nachbringen." Schiller folgte dem voranschreitenden Verwalter .....

Auszug S. 165, 166

Noch einmal hatten Frau von Wolzogen und Schiller in der Gartenlaube Kaffee getrunken. Die Zeit zum ABSCHIED drängte. Henriette erhob sich. "Schon?" sagte Schiller. "Wie töricht ist es doch von mir, diesen idyllischen Platz aufzugeben und in die große Welt zu gehen, die mich zurückstößt und die meine Sehnsucht nach Ihnen nur steigern wird." "Es muß sein, lieber Freund. Sie werden auf die Dauer hier nicht glücklich sein, weil sie nicht der ehrliche Kerl bleiben würden. Sie müssen Ihr Glück begründen und das können Sie nur in der großen Welt, nicht hier in Bauerbach." "Ich will und kann auch fleißig bei Ihnen arbeiten. Wozu muß ich fort? Wenn ich nur 600 Gulden im Jahre verdiene, so will ich hier bleiben und hier begraben werden." "Sie werden das in Mannheim erreichen und dann wiederkehren. Glauben Sie mir, lieber Freund, auch ich werde bis dahin nur traurige Tage durchleben." "In 5 bis 6 Wochen bin ich wieder hier. sehen Sie, liebste Freundin, was ich in diesem Beutel habe. Das ist das Geld für die Rückreise, das wird nicht angetastet." "Ihr Zimmer erwartet Sie. Es wird uns sein, als wenn Sie gestern von uns gegangen." Sie standen am Wagen. Noch einmal wandte sich Schiller um und führte Henriette ein Stückchen beiseite "Noch eine Bitte habe ich zum Abschied", sagte er leise mit zitternder Stimme, "lassen Sie mich, beste Mama, mich Ihren zärtlichen Sohn auf ewig nennen. Und, wenns erlaubt, küssen Sie die liebe Lotte in meinem Namen". Mit einem Ruck riß sich Schiller los und sprang in die Kutsche. Die Pferde zogen an, winkend beugte er sich immer wieder aus dem Fenster hinaus, bis das Gutshaus seinen Blicken entzogen war.

Lesen Sie alles weitere selbst in diesen zwei Büchern und bleiben Sie von seiner ANREISE 7. Dez. 1782 bis zu seiner ABREISE 24. Juli 1783 bei und mit Schiller in der Idylle in Bauerbach.

Eine weitere Auswahl aus meinem privaten Bestand an "Schiller-Büchern":



Andreas Seifert; "Schillers Meininger Schwester"
- Eine Lebens-Lese-Wanderung in Meiningen in 10 Stationen; Meininger Museen 2009

Dieter Hildebrandt "Schillers erste Heldin"; Das Leben der Christophine Reinwald, geb. Schiller; Deutscher Taschenbuchverlag 2012
"Ich kann nicht Fürstendiener sein"; Eine Biographie von Marie Haller-Nevermann; Aufbau Verlag Berlin 2004
Renate Feyl "Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit"; Roman ; Diana Verlag, 6. Auflage 2002
Caroline von Wolzogen "Mein Herz bedarf Liebe" Briefe und Literatur von Schillers Schwägerin; Hrsg. Nikolas Immer; Weimarer Verlagsgesellschaft 2015
"Schillers Frauen"; 42 Portraits aus Leben und Dichtung; Hrsg. Joseph-Kiermeier-Debre; dtv Mai 2009 - siehe auch unter www.dtv.de "Friedrich Schiller in der dtv-Bibliothek der Erstausgaben von Joseph Kiermeier-Debre -
"Schiller, Lotte und Line - eine klassische Dreiecksgeschichte" von Ursula Naumann; Insel Taschenbuch 2004
Jörg Aufenanger "Schiller und die zwei Schwestern" dtv 2005
Eva Gesine Baur "Mein Geschöpf musst du sein" Das Leben der Charlotte Schiller; Rowohlt Taschenbuch Verlag 2004
Lutz Unbehaun "Schillers heimliche Liebe" Der Dichter in Rudolstadt; Böhlau Verlag 2009
Herausgabe von mehreren Büchern von Christine Theml, überwiegend seine Zeit in Jena betreffend, z.B. "Wem der große Wurf gelungen" - aus dem Briefwechsel Friedrich Schillers und Christian Gottfried Körners, Jenzig Verlag 2001
Herausgabe von mehreren Büchern von Rüdiger Safranski , z.B. "Goethe & Schiller" - Geschichte einer Freundschaft Fischer Taschenbuch Verlag 2011
Friedrich Dieckmann "Diesen Kuß der ganzen Welt" - Der junge Mann Schiller, Insel Verlag 2005
Herausgabe von mehreren Büchern von Sigrid Damm im Insel Verlag; z.B. "Das Leben des Friedrich Schiller" - eine Wanderung, 2004
"Dein Glück ist heute gut gelaunt!" - Schiller Aphorismen mit humoristischen Zeichnung von Friedrich Schiller; ausgewählt von Manfred Mai; Sanssouci im Carl Hanser Verlag München, 2008
Christel Ringert "Der alltägliche Schiller" - Anekdoten und Geschichten -; quartus-Verlag; 2009
"Er scheint zur Poesie Genie zu haben" - Anekdoten über Schiller -; gesammelt und aufgeschrieben von Ingrid und Ulf Annel; Eulenspiegel Verlag, 2009
"Schiller für Kinder" - ausgewählt von Peter Härtling, illustriert von Hans Traxler; Insel Taschenbuch 2006
"Mit Schiller zu Tisch" - Ein literarisches Kochbuch - von Gudrun Beckmann-Kircher und Burkhard Schork; Verlag SCHNELL Warendorf; 2008
"Das Friedrich von Schiller Kochbuch" - Ein literarisches Kochbuch - von Roswitha Stemmer-Beer; Verlag SCHNELL Buch Warendorf, 2004

Einige Schiller Biografien von:

Andreas Streichers Schiller-Biographie, herausgegeben von Herbert Kraft, B.I. Wissenschaftsverlag, Bibliogr. Institut Mannheim/Wien/Zürich; Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz; Band 5
"Schiller - sein Leben und seine Werke" von Karl Berger; in zwei Bänden; München 1909 C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, Oskar Beck
"Schillers Leben und Werke" von Emil Paleske; Zwölfte Auflage, bearbeitet von Hermann Fischer in zwei Bänden; Stuttgart 1886, Verlag von Carl Krabbe
Peter-Andre Alt; "Schiller - Eine Biographie" in zwei Bänden, Band 1 1759 -1791, Band 2 1791-1805; 1. Auflage in der becksche reihe 2009, Verlag C. H. Beck München
"Schillers Leben. Verfasst aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner." von Caroline von Wolzogen; Stuttgart und Tübingen; J. G. Cotta; Ausgabe 1851 (erste Schillerbiographie erschien bereits 1830, verfasst von Schillers Schwägerin Caroline )
ISBN 3-15-018060-0 Gero von Wilpert "Schiller Chronik" Reclam Verlag Stuttgart; 2000
ISBN 9783869011509 "Schiller - Erinnerungen" Lebensrückblick in autobiographischer Form von Gisela Seidel , erschienen im Engelsdorfer Verlag 2009
Das ist die zweite verbesserte Auflage des Buches "Friedrich Schiller - so fern und doch so nah", - Biographisch gefühlvoll Vermischtes in stetem Gedenken von Gisela Seidel -, das 2005 erschienen ist unter der ISBN 978393828856. Im Internet unter www.schiller-biografie.de ist das gesamte Buch von der Autorin selbst eingestellt.

ISBN 9783458172358 "Friedrich Schiller - Sämtliche Gedichte und Balladen" von Georg Kurscheid; Insel-Verlag 2004
Friedrich Schiller "Und das Schöne blüht nur im Gesang" Gedichte, Balladen und Lieder; Hrsg. Joseph Kiermer-Debre; dtv 2004
ISBN 3-15-018060-0 Gero von Wilpert "Schiller Chronik" Reclam Verlag Stuttgart; 2000
ISBN 9783784429892 "Schiller - Der Roman" von Udo Weinbörner; erschienen 2005 Langen Müller Verlag

Sehr informativ ist auch die Internetseite
www.neuer-weg.com/alt_archiv/gesellschaft/Schiller.htm

"Friedrich Schiller - aktuelle Literatur zum 200. Todestag -Schiller Biografien - Von Schiller - Über Schiller"
Da sind u.a. die Biografien von Sigrid Damm; Peter-Andre Alt, Kurt Wölfel und Rüdiger Safranski vorgestellt.

"Klassisch gut:Schiller-Zitate"; Buch Verlag für die Frau, Leipzig; herausgegeben von Christel Förster, mit zeitgenössischen Schattenrissen
Torsten Körner; "Schiller für Eilige";Taschenbuch Aufbau Verlag, 2009
"Schiller Ausgewählte Werke in zwei Bänden"; Erster Band Gedichte Dramen; Zweiter Band Dramen Erzählungen, 1. Auflage 1988; Aufbau Verlag Berlin und Weimar
"Schillers Werke - Neue Prachtausgabe" in zwei Bänden; Band 1 und 2 Institut für Literatur und Volksbelehrung Berlin; 1901

Ich weiß allerdings nicht, ob diese Bücher alle noch im Handel erhältlich sind, aber für den Privatengebrauch kann man sie auch im Internet noch zum Bezug finden.

Adieu Dresden
Freundesintrigen und reife Zeit –
Schiller verlässt 1787 die Stad


Die unglückliche Liebe eines Freundes mit anzusehen ist zuweilen hart. Es gibt keinen wirklichen Trost, den man spenden könnte, maximal Ablenkung kann man verschaffen und der Zeit vertrauen, die dem unglücklich Verliebten helfen wird, auch wenn dieser das gerade unmöglich glauben kann. Doch kommt der Gedanke, wie sehr sich der Freund mit seiner neuen Liebe selbst schaden könnte, regt sich der Wille einzugreifen. Vielleicht sogar zu intrigieren, um der Sache ein Ende zu bereiten.

So oder ähnlich muss es Minna Körner, der Ehefrau Christian Gottfried Körners gegangen sein. Seit 1785 bot das Haus Körner dem mittellosen Schiller eine Bleibe. Treulichen Zusammenhalt, so etwas wie Familie gab es dem Dichter und damit die Freiheit zum Schreiben, die er in Dresden und im beschaulichen Loschwitz genoss.

Company aboutPavillon auf Körners Weinberg, wo Schiller wohnte

Dann ein Maskenball im Winter 1787, Armors Pfeil traf zielgenau. Der 28-jährige Schiller verliebte sich ernsthaft in die 19-jährige Henriette von Arnim. Vorbei die herrlichen Zeiten, in denen die Körners mit ihm am Tische philosophierten. Vorbei auch die Zeiten produktiver Arbeit bei Schiller, Schreibblockade würde man es heute nennen. Kein Wunder, alle Gedanken der Angebeteten!

Die Liebe? Im Grunde ohne Zukunft. Er mittellos und ein bürgerlicher Schriftsteller, Henriette eine von 10 Töchtern der früh verwitweten Elisabeth von Arnim, Kammerdame des kurfürstlichen Hofes, deren Kapital ihre Töchter waren, die es gut zu verheiraten galt. Mehrere Bewerber waren daher im Rennen, was Schiller letztlich verstörte, obwohl sich ihm die junge, doch sehr reife Henriette offen, souverän und rückhaltlos erklärte: „ … so muß ich gleich am frühen Morgen an Sie schreiben und Ihnen sagen, daß ich immer und unaufhörlich an Sie denke, mich nur mit Ihnen beschäftige. Der Gedanke an Sie ist jetzt der einzige der mir wichtig ist ... Es ist wahr, ich gestehe es, daß ich vorher auch schon geliebt habe, aber bei weitem nicht so als jetzt … Sie sind der einzige Mensch, zu welchem ich einen so hohen Grad von Vertrauen habe.“

Als der Druck des „Dom Karlos“ ernsthaft in Gefahr zu geraten scheint, an dem Schiller arbeitete, vielleicht auch Eifersüchteleien auf die neue Liebe des Dichters aufkeimen, findet Minna Körner mit ihrer Schwester Dora Stock und Körner selbst eine Lösung: Schiller muss weg aus Dresden, nicht zu weit, nach Tharandt, wo Körner ihn im Gasthaus einmietet. „Schiller war in einem Zustande leidenschaftlichster Aufregung, so daß er ganz offen gestand, daß ihn die Ungewißheit, ob er auf Erfüllung seiner Wünsche hoffen dürfe oder sie aufzugeben gezwungen sei, unfähig zu jeder Arbeit mache“, beschreibt Minna Körner. Schiller fühlte sich in Tharandt alles andere als wohl, „als wäre ich auf einer wüsten Insel ausgesetzt worden“, moniert er aus dem winterlichsten Wetter. „Ich habe des Tags ein halb Dutzend fürchterlich leere Stunden“, schreibt er an Körner. Eine entscheidende Wendung bahnt sich an, als Henriette mit ihrer Mutter nach Tharandt kommt – und ebenfalls ein weiterer Henriette-Anwärter. Schiller wird rasend eifersüchtig, hinzu kommt das mulmige Gefühl, mit einer Verbindung zu Henriette die Freundschaft des Körnerkreises vielleicht zu gefährden – er erkennt, dass er sich von beiden trennen muss, seiner Liebe und den Körners.

Man weiß nicht genau, wie lange Schiller tatsächlich in Tharandt blieb, auch nicht, ob er von da nach Dresden oder gleich nach Loschwitz zurückkam, um Henriette nicht mehr zu begegnen. Zeugnisse gibt es nicht, Henriette hat alle Briefe Schillers und sicher auch einige ihr gewidmete Gedichte vernichten lassen.

Am 20. Juli 1787 bestieg Schiller die Postkutsche gen Weimar, zumindest versöhnt mit dem körnerschen Kreis: „Jetzt adieu, meine Lieben. … Meine ganze Seele ist bei euch – denn sollte Freundschaft ein so armseliges Feuer sein, daß es durch Teilung verlöre? Kein Geschöpf in der Welt kann euch die Liebe, kann euch nur den kleinsten Teil der Liebe entziehen, womit ich auf ewig an euch gebunden bin. Adieu.
Daniella Fischer

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Viel Spaß beim "Aufstöbern" und beim "Lesen" wünscht Karin Häntzschel

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