7. Dezember 1782
Schillers Ankunft in Bauerbach

about

Friedrich Schiller - Meine Reise nach Bauerbach - Worms am 1. Dezember 1782

"So trat ich frierend, meiner Illusionen beraubt und mit entsprechender Zukunftsangst, die Fahrt dorthin an. Am Abend des 7. Dezember war meine wegen des Wintereinbruchs sehr beschwerliche Reise zu Ende, und ich traf erschöpft auf dem Gutshof ein. Ich, inkognito als Dr. Ritter, wurde anscheinend schon erwartet, denn Frau von Wolzogen hatte Vogt, den Verwalter ihres Hauses, bereits von Stuttgart aus über mein Kommen informiert. Nun bezog ich erst einmal mein neues Quartier und sah mich ein wenig im Hause um. Bereits am nächsten Tag schrieb ich meinen Freunden von meiner geglückten Reise, und dass ich froh sei, endlich hier angekommen zu sein. Ich fühlte mich wie ein Schiffsbrüchiger, der nach einem langen, mühsamen Kampf durch die Wellen endlich das rettende Ufer erreicht hatte. Auch meinen Freund Streicher informierte ich sofort über meine Ankunft in Bauerbach, und ich berichtete ihm von den Bequemlichkeiten, die mir hier in meinem Asyl, beschert worden waren. Alles war aufs Trefflichste gerichtet. Es fehlte weder an Kost und Bedienung, noch an Wäsche, und auch für einen warmen Ofen wurde stets von den Leuten des Dorfes gesorgt. Ganz gelassen konnte ich mich hier nur meinem Schreiben widmen und an der Fertigstellung meiner Stücke arbeiten."

img09

Schiller 1783

View more

Schiller 1783
im Alter von
23 Jahren,
gemalt von
A.W. Tischbein

img09

Schillerhaus Bauerbach

View more

Nach der Flucht aus Stuttgart diente Schiller das Wohnhaus der Wolzogen in Bauerbach als Asyl. Der unter dem Dr. Ritter reisende Schiller lebte hier vom 7. 12. 1782 bis zum 24. 07 1783.

img09

Ankunftshaus

View more

In diesem Haus wohnte der Gutsverwalter und Lehrer Vogt, der von der zu erwartenden Ankunft des "Dr. Ritter" von Henriette von Wolzogen in Kenntnis gesetzt war.

about

Im Museum, das zur Klassik Stiftung Weimar gehört, vermitteln die vier kleinen Kabinettchen die Atmosphäre, in der sich der Asylant anscheinend so wohl und befreit fühlte: "Nunmehr bin ich in der Verfassung, ganz meiner Seele zu leben. Da ich alle Notwendigkeiten und auch die Bequemlichkeiten habe, so habe ich eine Zeitlang für nichts zu sorgen, als mich zu einem großen Plan vollends auszubilden. Diesen Winter seh ich mich genötigt, nur Dichter zu sein ?" Immerhin - das Arbeitszimmer - in seiner Ausstattung aus dem Besitz von Wolzogens hat man bis heute so erhalten und in der Schlafkammer das Bett sei von damals, steht noch, ist 1,80 Meter kurz. Der groß gewachsene "Schiller schlief im Sitzen", behauptet die Führerin. Und zum Dichter wurde er ja nun wirklich hier in Bauerbach, schrieb weiter am „Fiesko„, "Kabale und Liebe" vollendete er, den „Bauerbacher Plan„ zum "Don Karlos" brachte er zu Papier und begann mit der „Maria Stuart“. Die einsamen Winterabende verbrachte er in Gesellschaft von Gutsverwalter und Lehrer Vogt sowie mit jenem Juden Mattich beim Kartenspiel. Daneben fand er sogar noch Zeit für Herzensangelegenheiten. Ob er sich nun allerdings in Henriette von Wolzogen, die Gönnerin und Besitzerin seines Asyls, oder doch mehr in deren damals 16jährige Tochter Charlotte verliebte, darüber streiten manche Gelehrten. Schiller selber drückt sich in seinen Briefen um eine eindeutige Zuneigung. Dafür wurde er später leider umso deutlicher, was sein Verhältnis zu dem kleinen Bauerndorf in Thüringen anbelangt: "Ich war also wieder in der Gegend, wo ich von 1782 bis 83 als ein Einsiedler lebte (...) Jetzt, nach fünf Jahren, kam ich wieder, nicht ohne manche Erfahrungen über Menschen, Verhältnisse und mich. Jene Magie war wie weggeblasen. Ich fühlte nichts."

about

Zu einer Schiller-Gedenkfeier in den Schillerort Bauerbach hatten die Ortsteilbürgermeisterin (gleichzeitig Vorsitzende des Schillervereins) und die Mitglieder des Schillervereins eingeladen. Am Abend des 8. Dez. 2017 wurde mit dieser Veranstaltung in vielfältiger Art und Weise an Schillers Ankunft vor 235 Jahren am 7. Dez. 1782 erinnert und der langjährigen Schiller Traditionspflege durch die Bauerbacher Bevölkerung gedacht.
about
about

about

Henriette von Wolzogen (Silvia Ansorg) brachte diese Zeit des achtmonatigen Aufenthalts Schillers hier in ihrem Gutshaus in Bauerbach zu Gehör und richtete "Grüße aus einer längst vergangenen Zeit" an die Bauerbacher.

Kontakt

(0)36945-50038