bauerbach

„Zu einer Zeit, da die Kunst sich immer mehr zur feilen Sklavin reicher und mächtiger Wolllüstlinge herabwürdigt, thut es wohl, wenn ein großer Mann auftritt und zeigt, was der Mensch auch jetzt noch vermag.“ Mit diesen Zeilen nahmen die Leipziger Schillerfreunde im Juni 1784 erstmals Kontakt mit ihrem Idol auf. Der große Mann, der Mut und Kraft zu allen Zeiten gab, blieb Schiller für das aufgeklärte Bürgertum zu allen Zeiten. Der von Robert Blum 1842 gegründete Leipziger Schillerverein sah sich in der 1848er Revolution als ein Verein der für die Einheit und für Demokratie in Deutschland auftrat. Wer kann hier besser als Wortgeber fungieren als der Autor des Wilhelm Tell. Doch wurde Leipziger Schillerverein im Dezember 1948 auf Beschluss der Landesregierung Sachsen aufgelöst.
Erinnerung und Andenken an den berühmten Sommergast im Gohliser Schillerhaus aber lebten weiter und aus dem dortigen Freundeskreis heraus entstand nun eine Idee, welche am 17. Februar 2018 in die Tat umgesetzt werden sollte. Ein historischer Tag in Leipzigs Stadtgeschichte.
Mit 11 Minuten Verspätung aufgrund des großen Andranges begann die Gründungsveranstaltung des Leipziger Schillervereins, zu welcher Schillerfreunde aus ganz Deutschland erschienen waren. So waren neben Gästen aus „Schillerorten“ wie Marbach oder Bauerbach auch Schillerfreunde aus Baden-Württemberg, Berlin und Köln angereist. Der Schriftsteller Peter Völker und der Naturwissenschaftler Dr. Jörg Flemmig hatten vergangenes Jahr am Rande der Schillertage in Weimar die Idee zur Gründung eines Leipziger Schillervereines gehabt und nun bemühten sich die beiden als Versammlungsleiter und Protokollführer, den schwierigen Spagat das etwas zähe notwendige vereinsjuristischen Prozedere möglichst schnell unterhaltsam über die Bühne zu bringen. Es gelang trefflich und so war nach zwei Stunden der Ritt durch die Satzung geschafft und die nötigen Wahlen und Abstimmungen vollzogen. In die Fußstapfen von solch bedeutenden Männern wie Robert Blum oder Georg Witkowski tritt nun als Vorsitzender des Leipziger Schillervereines der approbierte Biochemiker Jörg Flemmig. Ein ehemaliger Schüler vom Schillergymnasium in Gohlis, der schon als Kind seine Verwandten durch das dortigem Schillerhaus führte und in der Rolle des jungen Schiller seit vielen Jahren nicht nur den Leipzigern bekannt ist. Zu seinen Stellvertretern wurden Dietmar Schulze und Dr. Hansjörg Rothe gewählt. Der Name Schulze ist vielen Schillerfreunden geläufig, da er das Schillerhaus in Leipzig Gohlis die letzten 17 Jahre betreute und mit seinem Schillerhaustheater seit 2005 für viele klassische Abende sorgte. Der Arzt Hansjörg Rothe ist schon immer der Literatur aufgeschlossen gewesen und tritt auch selbst als Autor in Erscheinung. Er hat als Vorsitzender des Verbandes Freier Autoren in Thüringen bereits auf diesem Feld Erfahrungen sammeln können. Nun gilt es Schiller wieder in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen. Besonders die Jugend für den großen Dichter und Denker zu begeistern ist ein Herzensanliegen. Dabei wurde dem Verein sofort die Kooperation mit dem Schillergymnasium angeboten, welche neben dem ebenfalls zur Zusammenarbeit bereiten Naturschutz und Kunst Leipziger Auenwald e.V. nicht die einzigen Partner bleiben werden. Natürlich wird sich hier noch viel entwickeln und die enge Verbindung, besonders zu den Schillervereinen und -gedenkstätten soll sich beim nächsten Treffen der Schillerhäuser im September dieses Jahres in Dresden zeigen, wo die Leipziger sich gerne mit einem kleinen kulturellen Beitrag beteiligen werden. Gab es doch im Vorfeld der Gründung gerade aus Elbflorenz viele hilfreiche Tipps und Anregungen und überhaupt, ist der Körner-Schillerverein dort ja auch noch nicht mal ein Jahr alt.
Dietmar Schulze


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