(+49) 36945-50038
+


Nach der Flucht aus Stuttgart diente Schiller
das Wohnhaus der Wolzogen in Bauerbach als Asyl.
Der unter dem Dr. Ritter reisende Schiller lebte hier
vom 7. 12. 1782 bis zum 24. 07 1783.





Das frühere Gutshaus im kleinen Ort Bauerbach war für 7 Monate von Dezember 1782 bis Juli 1783 Friedrich Schillers Zuhause. Es befand sich seit 1667 im Besitz der Familie von Wolzogen.
Nach seiner Flucht aus Stuttgart gewährte man Schiller zunächst Unterkunft als Hausgast Henriette von Wolzogens, der Mutter zweier Söhne, die wie Friedrich Schiller Kommilitonen an der Karlsschule waren. In dem kleinen thüringischen Dorf fand er Frieden und Unterstützung. Aus Furcht vor möglicher Verfolgung durch den württembergischen Fürsten und aus Rücksichtnahme auf seine Gastgeberin verschwieg er seinen echten Namen und benutzte stattdessen das Pseudonym „Dr. Ritter“.
Am 8. Dezember 1782 schrieb er in einem Brief an seinen engen Freund Andreas Streicher: „Ich bin nicht länger belastet von dringenden Bedürfnissen und keine äußeren Störungen werden meine Dichterträume stören. Frau von Wolzogens Haus ist ein sehr schöner Ort und die Stadt vermisse ich überhaupt nicht. Ich verfüge über jeden Komfort – Essen, Bedienung, Wäsche, Heizung und dergleichen werden vollständig und bereitwillig von der Dorfbevölkerung besorgt. Ich kam hier am Abend an … ich zeigte mein Empfehlungsschreiben und wurde zunächst durch das Haus geführt, wo bereits alles vorbereitet, das Feuer angefacht und die Betten gemacht waren.“
Während ihrer gelegentlichen Besuche in Bauerbach lebte die Familie von Wolzogen gewöhnlich in den beiden vorderen Räumen des Obergeschosses. Heute sind diese im zeitgenössischen Stil eingerichtet. Außerdem hängen hier Bilder von Verwandten und Freunden. In den drei weiteren Räumen lebte der junge Dichter. In seinem Arbeitszimmer mit einem barocken Schreibtisch befinden sich Portraits seiner Freunde und Verwandten, des Verlegers Christian Friedrich Schwan, des Mannheimer Theaterdirektors Wolfgang Heribert von Dalberg, Henriette von Wolzogens und ihrer Tochter Charlotte.
Das kleine Schlafzimmer ist dekoriert mit Bildern von Bauerbach und seiner Umgebung.
Schiller war 23 Jahre alt. Während der Monate seiner ländlichen Einsamkeit arbeitete er an einer neuen Fassung seines Stückes „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua“ und vervollständigte das Drama „Luise Millerin“, welches später auf Veranlassung Ifflands in „Kabale und Liebe“ umbenannt wurde.
Die Isolation, die er hier in diesem kleinen Ort, als alle Straßen verschneit und unpassierbar waren, erleben musste, war dem jungen Dichter unvertraut. Kaum zehn Tage nach seiner Ankunft schrieb er in einem Brief an Reinwald, den Meininger Hofbibliothekar, der später Schillers Schwester Christophine heiratete, dass er sich danach sehne, guten Menschen zu begegnen.
Von Zeit zu Zeit kam seine Mäzenin Frau von Wolzogen mit ihrer 16-jährigen Tochter Lotte auf einen kurzen Besuch aus Stuttgart, und der Poet lebte auf.
„Luise Millerin“ war noch nicht beendet, doch Schillers Gedanken wendeten sich bereits „Don Carlos“ zu. Reinwald versorgte den Dichter mit den notwendigen Büchern aus der Meininger Bibliothek .Die Liste dieser Bücher veranschaulicht nicht nur Schillers literarische Bedürfnisse, sondern auch seine poetischen Interessen. Eines der wichtigsten Objekte der Ausstellung ist das Fragment eines Manuskriptes des bürgerlichen Trauerspiels „Luise Millerin“, das er in Bauerbach schrieb. Schillers Arbeitszimmer und sein Schlafraum, ebenso wie der Wohnbereich der Familie von Wolzogen, sind weitestgehend im Originalzustand erhalten. Das Gebäude, das zwischen 1931 und 1934 als Schillergedenkstätte eingerichtet wurde, vermittelt einen lebendigen Eindruck von Schillers Leben und Arbeit in diesem Ort . Das Haus wurde 1995 vollständig wiederhergestellt. Es gehört zu den Museen der Klassik Stiftung Weimar.
Im Juli 1783 verließ Schiller Bauerbach und reiste nach Mannheim. Heribert von Dalberg hatte ihm einen Vertrag als Theaterschriftsteller angeboten.
Die Bevölkerung Bauerbachs pflegt eine lebendige Beziehung zu „ihrem“ Dichter. Seit 1905 existiert die Tradition des Bauerbacher Naturtheaters.

Quelle: KSW Weimar; Thüringen.info

>